Bäume und Menschen atmen nicht im gleichen Rhythmus. Das kann man am eigenen Leib erfahren, wenn man in der Rauminstallation des italienischen Künstlers Guiseppe Penone steht, die in der Abteilung für zeitgenössische Kunst des Centre Pompidou in Paris zu finden ist.
Die Wändes des quadratischen Raumes sind mit Loorbeerblättern tapeziert, die in Metall gegossen wurden. Der aromatische Geruch, den die Wände abgeben, erinnert daran, dass wir auf natürliche Weise unaufhörlich ein- und ausatmen.
Indem die Duftkomponenten in die Lunge eindringen, rufen sie das Besondere des menschlichen Atemsystems in Erinnerung. Wir atmen Sauerstoff ein, der über die Lungenbläschen an das Blut abgegeben wird. Als Abfallprodukt entsteht Kohlendioxid (CO2), das wir in die Umwelt abgeben.
Der Kreislauf des Atmens
CO2 stellt das Substrat für grüne Pflanzen dar. Sie bilden daraus mit Hilfe des Sonnenlichtes und Wasser Energie in Form von Glucose. Bei der Lichtreaktion der Photosynthese absorbiert das Chorophyll in den Chloroplasten Lichtquanten. Diese können das Wasser photolytisch spalten. So entsteht Sauerstoff und ATP. Während der nächtlichen Dunkelreaktion wird CO2 mit Zucker und ATP zu Traubenzucker verknüpft.
Weil grüne Pflanzen und Menschen nicht im gleichen Rhytmus atmen, sondern sich gegenseitig benötigen, ist die Photosynthese die wichtigste Reaktion für das Zusammenleben auf der Erde.
Steht man mitten in dem grün-goldenen Raum und atmet den Duft der Lorbeerblätter ein, bedeutet das, zu sehen, so der Künstler, der sich der Stilrichtung der arte povera verschrieben hat. Entsprechend schuf er Objekte und Installationen aus natürlichen Materialien, meist aus Pflanzen und Holz. So steht eine 9 Meter hohe Bronzeskulptur eines Baumes in einem Landschaftspark in Kassel, ein Werk für die dOCUMENTA (13) aus dem Jahr 2012.

