Magen und Darm nicht im Takt

Pflanzenextrakte wirken bei Reizmagen, Reizdarm und Obstipation

Die Hälfte der Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden leidet an funktionellen Störungen ohne pathologischen Organbefund. Hier sind Phytotherapeutika nachweislich wirksam. Besonders bewährt haben sich Heilpflanzenextrakte und ätherische Öle aus Kümmel und Pfefferminze.

Geht es um funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen, hat man es in den meisten Fällen mit Reizdarm, Reizmagen und funktioneller Obstipation zu tun. Definierte Symptome vereinfachen die Diagnose, oft jedoch ist die Symptomatik uneinheitlich und überlappend. Zudem werden Magen-Darm-Erkrankungen signifikant durch Ernährungsgewohnheiten beeinflusst. Nicht umsonst empfiehlt man bei Obstipation ballaststoffreiche Nahrungsmittel, Flüssigkeit und Bewegung. Bei Durchfällen haben sich pectinhaltige Nahrungsmittel wie Äpfel bewährt, der Zuckerersatzstoff Sorbitol sollte jedoch unbedingt vermieden werden.

Viszerale Überempfindlichkeit

Bestimmte Mikroorganismen im Darm fermentieren Nahrungskohlenhydrate und Mehrfachalkohole unter Bildung von Gasen, was unangenehme Blähungen zur Folge hat. Zu diesen FODMAP- Kohlenhydraten gehören Lactose, Fructose, Fruktane und Galactane sowie die Zuckeraustauschstoffe Sorbitol, Mannitol, Xylitol und Maltitol. Wie eine Studie zeigte, reduzierte eine FODMAP-arme Ernährung die Reizdarm-Symptome bei 75% der Patienten effektiv. Geeignet war die Diät besonders für Patienten mit viszeraler Überempfindlichkeit oder erhöhter Darm-Gehirn-Kommunikation, aber auch bei einer veränderten Darmmotilität. Bei viszeraler Überempfindlichkeit kann auch Pfefferminzöl wirksam sein.

Pfefferminzöl – klinische Evidenz

Aus den frisch geernteten, blühenden Zweigspitzen von Mentha piperita wird Pfefferminzöl gewonnen. In den Spitzen ist 35- 40% freies Menthol konzentriert. Wie Menthae piperitae aetheroleum physiologisch wirkt und wie sicher und wirksam es beim Reizdarmsyndrom und anderen funktionellen Erkrankungen ist, wurde in einem hochaktuellen Review beschrieben.

Vom Prinzip her übt Pfefferminzöl eine entspannende Wirkung auf die glatte Darmmuskulatur aus. Das geschieht über eine Blockade der Kalziumkanäle, aber auch über eine direkte Wirkung auf das enterische Nervensystem. Pfefferminzöl moduliert die Sensitivität der Eingeweide, und zwar über Übergangs-Rezeptorpotential-Kationen-Kanäle. Darüberhinaus wirkt es antimikrobiell und antientzündlich und beeinflusst sogar psychosozialen Stress. Pfefferminzöl hilft bei krampfartigen Beschwerden des oberen Gastrointestinaltraktes, beim Reizdarmsyndrom und bei Flatulenz. Placebokontrollierte Studien bestätigten die Wirksamkeit bei Reizmagen und Reizdarm.

Heilpflanzenkombination mit guter Evidenz

Seit Jahrzehnten werden die Extrakte von neun Heilpflanzen effektiv bei funktioneller Dyspepsie und beim Reizdarmsyndrom eingesetzt, das zeigten sechs klinische Studien. Die Pflanzenkombination übt einen regulatorischen Einfluss auf den gesamten Gastrointestinaltrakt und das enterische Nervensystem aus. Dabei wirken die Trockenextrakte von Schöllkraut, Mariendistel, Melissenblättern, Kamillenblättern, Kümmelfrüchten, Süßholz, Angelikawurzeln und Pfefferminze hauptsächlich spasmolytisch, während der Frischextrakt von Iberis amara tonisiert.

Dass die Wirkung schnell eintritt, zeigte eine nichtinterventionelle Studie. Die funktionellen und motilitätsbedingten gastrointestinalen Erkrankungen bei 272 Patienten wurden circa 3 Wochen mit dem Pflanzenextrakt behandelt. Währenddessen berichtete die Mehrheit der Patienten über eine ausgeprägte Verbesserung innerhalb von 5, 15 oder 30 Minuten nach der Einnahme. Je ausgeprägter die Beschwerden waren, umso größer war die absolute Verbesserung.

Kurz gefasst

Das enterische Nervensystem spielt bei funktionellen gastrointestinalen Störungen eine wichtige Rolle – sei es in Form einer Schmerzüberempfindlichkeit oder einer veränderten Reizwahrnehmung. An dieser Stelle greifen Phytotherapeutika regulierend ein. So sind Kümmel- und Pfefferminzöl bei schmerzhaften Krämpfen im Gastrointestinaltrakt effektiv, Heilpflanzenextrakte wirken spasmolytisch und tonisierend.

Den ganzen Beitrag lesen Sie im PRIVATARZT 2 April 2018