Atemwegserkrankungen – gute Gründe für die Phytotherapie

Bei Atemwegsinfektionen helfen die antiviralen und immunstimulierenden Qualitäten des Sonnenhutes und der Kapland-Pelargonie. Im beschwerdefreien Intervall bei Asthma unterstützen Extrakte aus Efeu und Thymian.

Heilpflanzen sind Mittel der Wahl bei akuten und chronischen Atemwegsinfektionen. So ist eine Tee-Zubereitung aus Holunder- und Lindenblüten die geeignete Erstmaßnahme gegen Reizhusten. Die Inhaltsstoffe Sambucin und Tilirosid wirken lindernd, sekretolytisch und immunstimulierend.

Ursächlich wirken die Extrakte von Kapland-Geranie, Taigawurzel und Sonnenhut. Werden die oberirdischen Pflanzenteile von Echinacea purpurea oder die Wurzeln von E. angustifolia ausgepresst, erhält man Cichoriensäure, das so genannte Echinacosid, sowie Flavonoide, die vitaminähnliche und antivirale Eigenschaften aufweisen. Der Gesamtextrakt steigert die Anzahl der Leukozyten und stimuliert die Phagozytose. Auch die Zytokinbildung nimmt zu, T-Zellen und T-Helferzellen werden stimuliert. Zudem beugt Echinacea einer bakteriellen Superinfektion vor.

Weniger Erkältungsepisoden
In der Praxis werden Sonnenhutextrakte vor allem bei rezidivierenden Infekten eingesetzt und reduzieren erwiesenermaßen die Krankheitshäufigkeit. Bestätigt wurde das in einer Metaanalyse: Die Wahrscheinlichkeit, eine Erkältung zu bekommen, war unter Placebo um 55 Prozent höher als mit Echinacea. Zwischen den beiden Gruppen betrug die Differenz im Total Symptom Score -1,96. Mit der Einnahme (3 x täglich 300 und 176 mg Echinacea) wurde 7 oder 14 Tage vor der induzierten Virusbelastung begonnen und diese 5 oder 7 Tage weitergeführt.

Ist eine Behandlung mit Echinacea geplant, sollte die Substanz zu Beginn eines Infektes für höchstens 2 Wochen gegeben werden. Eine Intervalltherapie sollte nicht länger als 6 Wochen dauern. Das verhindert eine Überstimulation des Immunsystems oder das Auftreten von Autoimmunphänomenen.

Unterstützend bieten sich Zubereitungen von Thymianöl, Pinienöl oder Eukalyptusöl an, sei es als Inhalation 2-3 mal am Tag oder als Einreibung vor dem Schlafengehen. Einige Tropfen genügen. Die klassische Anwendung als Einreibung wirkt auf zweifache Art, und zwar sowohl inhalativ als auch perkutan. Ergänzt werden lokale Anwendungen mit physiologischer Kochsalzlösung, die als Nasentropfen oder -sprays eingeatmet werden. Auch die Inhalation heißer Dämpfe ist wirksam. Das Öl des südeuropäischen Eucalyptusbaumes enthält mindestens 70% Cineol (Eucalyptol) und 2-8 % α-Pinen, dazu Limolen (4-12%). Die wohlriechenden Inhaltsstoffe wirken sekretomotorisch, expektorierend und antimikrobiell. Da die Elimination des Öls nach oraler Aufnahme auch über die Lunge erfolgt, ist eine lokal desinfizierende und sekretomotorische Wirkung gegeben.

Anpassung an Belastungen
Zu jedem Zeitpunkt einer Infektion kann Pelargonium sidoides eingenommen werden. Der Wurzel-Extrakt der Kapland-Geranie wirkt antiphlogistisch, antimikobiell und antiviral und stimuliert das Immunsystem, wofür die Wirkstoffe Catechin und Cumarin (Umckalin) verantwortlich sind. Unterstützt wird zudem die Selbstreinigung des Atemepithels und die Synthese von Interferon-β und Defensin. Wie eine kontrollierte Studie mit 468 Patienten zeigte, sank der Bronchitis-Schwere-Index nach 7 Tagen Behandlung signifikant schneller und die Krankheitsdauer war signifikant kürzer im Vergleich zu Placebo.

Adaptogen wirkt dagegen die Taigawurzel, Eleuterococcus senticosus. Die Inhaltsstoffe des Efeugewächses wehren Stressoren ab und helfen dem Körper, Belastungssituationen besser zu bewältigen. Eleutherosid-Glykoside modulieren das Immunsystem, indem sie die Bildung der T-Zellen und natürlichen Killerzellen anregen. Zu Beginn eines Infektes eingenommen, wird die Anzahl möglicher Komplikationen deutlich reduziert. Das können bakterielle Superinfektionen oder die Ausdehnung auf tieferliegende Abschnittes des Atemtraktes sein. Die Empfehlung: 10-25 Tropfen Taigawurzel-Fluidextrakt mehrmals täglich einnehmen, auch während der Rekonvaleszenz.

Immunstimulierend wirkt auch Thuja occidentale, der amerikanische Lebensbaum aus der Familie der Zypressen. Bereits in niedriger Dosierung regen spezielle Polysaccharide und Lignane aus den Triebspitzen der Pflanze die antikörperbildenden Lymphozyten und die Proliferation der T-Zellen an. Außerdem wird vermehrt Interleukin-2 ausgeschüttet. Bei der Dosierung sollte jedoch eine Obergrenze von 1,25 mg/kg Körpergewicht beachtet werden, da Thujaöl (Thujon) ein kumulativ toxisches Potential besitzt. Thuja wird als Tee oder Extrakt verwendet, meist jedoch in Kombination mit Echinacea. Diese Kombination erwies sich in experimentellen Untersuchungen den Monopräparaten überlegen.

Bei Asthma: Efeu und Thymian

Unterstützend im beschwerdefreien Intervall wirkt die Kombination aus Efeu und Thymian. Die Wirkstoffe fördern die respiratorische Situation und verhindern eine Verschlimmerung. Wie sich zeigte, verbessern die efeutypischen Triterpensaponinglykoside signifikant den Atemwegswiderstand. Thymol, das ätherische Öl des Thymians, sowie Gerbstoffe und Flavonoide wirken antimikrobiell, antiviral und hustenlösend. Die Thymian-Efeu-Kombination löst somit Krämpfe, verringert die Oberflächenspannung und optimiert den Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien. Wie experimentell gezeigt wurde, liegt dem eine signifikante antiinflammatorische Wirkung zugrunde. Schließlich kann auch der Mineralstoff Magnesium die Krampfneigung der Bronchien vermindern, während Kochsalz im Verdacht steht, die Empfindlichkeit der Bronchialmuskulatur zu steigern.

Klicke, um auf PA2-Inhalt.pdf zuzugreifen

 

Hinterlasse einen Kommentar