Erkältet? So wirken Vitamine und Mineralstoffe

Ob es nach einem Kontakt mit Rhinoviren zu einer Infektion kommt, liegt nicht zuletzt an der Versorgung mit Vitamin C, Zink und Selen. Denn diese Biofaktoren wirken gezielt auf das Immunsystem.

Die Erkältung  – das ist eine Virusinfektion der oberen Atemwege, von Nase und Nebenhöhlen, Kehlkopf und Rachen. Nach einer Inkubationszeit von weniger als zwei Tagen kommt es zu Halsschmerzen, laufender Nase, Husten und Unwohlsein. Entzündungen von Mittelohr und Nebenhöhlen können die Situation verkomplizieren.

Durchschnittlich zwei bis vier solcher Episoden macht ein gesunder Erwachsener im Jahr durch, wobei Stress und schlechter Schlaf das Erkältungsrisiko erhöhen. Die Hälfte bis zwei Drittel aller Erkältungen mit einem identifizierbaren Erreger gehen von Rhinoviren aus. Dagegen gibt es keine ursächliche Behandlung. So spielt der Status an immunwirksamen Vitaminen und Spurenelementen eine wichtige Rolle. Ein Mikronährstoff-Defizit betrifft immer auch das Immunsystem und äußert sich im Fall von Zink- und Vitamin C-Mangel in einer erhöhten Infektanfälligkeit.

 

Vitamin C unterstützt Immunzellen und Antikörper

Während höhere Pflanzen und die meisten Tiere Ascorbinsäure synthetisieren können, ging dieser Vorteil bei den Primaten verloren. Vitamin C muss daher regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Konzentriert liegt Vitamin C in den immunwirksamen Zellen des Blutes vor. Das sind Leukozyten, Granulozyten und Makrophagen. Dort schützt Ascorbinsäure vor der Auswirkung der freien Radikale, die die Zellen selbst zur Abwehr bilden. Leukozyten enthalten eine 40- 80fach höhere Vitamin C-Konzentration als das Plasma. Dadurch wird die Beweglichkeit, Chemotaxis und Phagozytose gesteigert und gleichzeitig das Gewebe vor freien Radikalen geschützt. Bei Vitamin C-Mangel leidet die Fähigkeit zur Chemotaxis und Phagozytose.

Ascorbinsäure wird auch bei der Differenzierung von B- und T-Lymphozyten benötigt, also sowohl bei der antikörper- als auch bei der zellvermittelten Immunantwort. Untersuchungen zeigten ferner, dass unter der hochdosierten Supplementation mit Ascorbinsäure (1 g pro Tag) die Serumkonzentrationen von Immunglobulin A, Immunglobulin M und des C3-Komplementproteins anstiegen. Schließlich stimuliert Vitamin C ein Hormon, das in der Darmschleimhaut spezifische Abwehrzellen induziert. Größere Mengen an Vitamin C werden bei Infektionserkrankungen verbraucht, ebenso in Stresssituationen. Denn unter Stress werden vermehrt Katecholamine gebildet, wozu wiederum Ascorbinsäure nötig ist.

Dass die Supplementation mit Vitamin C die Erkältungshäufigkeit reduziert, verdeutlichte eine randomisierte, kontrollierte Studie mit 28 gesunden, jungen Männern. Auf dem Höhepunkt der Erkältungssaison erhielten diese acht Wochen lang täglich 1000 mg Vitamin C oder Placebo. Im Verlauf der Studie traten unter Vitamin C sieben Erkältungsepisoden auf, unter Placebo elf. Im Vergleich zu Placebo war die Erkältungsdauer mit Vitamin C um 59% reduziert. Bei Personen mit adäquatem bis niedrigen Vitamin C-Status sind mit einer Vitamin C-Supplementation messbare Gesundheitsvorteile assoziiert, so das Fazit.

Natürliche Quellen für Vitamin C sind schwarze Johannisbeeren, Hagebutten, Sanddorn und Zitrusfrüchte, ebenso Gemüsepaprika, Broccoli und Grünkohl. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt die Zufuhr von 110 mg pro Tag für Männer und von 95 mg Vitamin C für Frauen.

 

Zink hemmt die Schnupfenviren

Im Unterschied zu den meisten Spurenelementen ist Zink relativ gleichmäßig im Organismus verteilt. Da es keinen besonderen Zinkspeicher gibt, kann eine deutlich verringerte Zufuhr schnell zu einem Zinkmangel führen. Zink wirkt im Körper emzymkatalytisch, funktionell und regulatorisch, auch auf das Immunsystem. Bei Infektionen kommt es zu einer Rückverteilung des Mikronährstoffs aus dem Plasma in die Gewebe, so dass sich nach ungefähr 4- 5 Monaten ein Zinkmangelzustand im Plasma ausbildet. Im Gegensatz dazu nimmt die Zinkkonzentration in Lymphozyten, Granulozyten und Blutplättchen bereits innerhalb von 2- 3 Monaten ab.

Zink wirkt spezifisch auf die Prozesse, die bei der Entwicklung eines Schnupfens ablaufen: Es verhindert frühzeitig, dass Rhinoviren an das Adhäsionsmolekül-1 in der Nasenschleimhaut binden können. Zink stabilisiert die Nasenschleimhaut und hemmt dort direkt die Vervielfältigung der Viren. Und es reduziert die Entzündungsreaktionen, die im Verlauf einer Erkältung auftreten.

Wird bei einer Erkältung sofort Zink gegeben, verläuft sie leichter und endet früher. Diese Ergebnisse einer umfangreichen Metaanalyse überzeugten zwei Hausärzte aus Chicago. Sie empfehlen ihren Patienten, Zink einzunehmen, sobald die ersten Erkältungssymptome spürbar sind, auf jeden Fall jedoch 24 Stunden nach Erkältungsbeginn.

Erhielten ältere Menschen regelmäßig Zink, machten sie signifikant weniger Erkältungen durch. So stieg der Zink-Plasmagehalt bei Personen im Alter von 55- 87 Jahren nach 12 Monaten Supplementation signifikant im Vergleich zur Placebogruppe an. Es wurden wesentlich weniger Entzündungsfaktoren und Marker von oxidativem Stress im Plasma nachgewiesen

Die DGE empfiehlt Männern, täglich 10 mg Zink aufzunehmen, Frauen sollten 7 mg zuführen. Zur Vorbeugung vor Erkältungserkrankungen raten Mikronährstoffexperten zu 10- 25 mg Zink pro Tag. In Lebensmitteln findet sich Zink in Austern, Innereien oder Haferflocken.

 

Selen für antioxidative Proteine

Bevor entdeckt wurde, dass Selen essentiell ist und eine ernährungsphysiologische Funktion besitzt, galt das Metall als sehr toxisch. So liegt der Grenzwert bei 400 μg pro Tag. Entsprechend empfiehlt die DGE eine täglich Selenzufuhr von 70 μg für Männer bzw. 60 μg für Frauen. In Nahrungsmitteln reichert sich Selen in Knoblauch und Paranüssen an.

20 selenabhängige Proteine schützen den Körper gegen oxidative Prozesse und unterstützen die Proliferation und Differenzierung von Zellen. Ein Mangel an Selen bewirkt einen mehr oder weniger deutlichen Aktivitätsverlust der funktionellen Selenoproteine. Für ein funktionierendes Immunsystem ist der Selen-Status wichtig; ein Mangel beeinträchtigt die zelluläre und humorale Immunität und erhöht auch die Infektanfälligkeit. Selen stimuliert die Proliferation der Lymphozyten und die Synthese von Interferon-γ und es steigert die Aktivität von zytotoxischen T-Zellen und natürlichen Killerzellen.

Wie eine selenhaltige Mikronährstoff-Kombination den Verlauf und die Schwere von wiederkehrenden Atemwegsinfektionen beeinflusste, machte eine randomisierte, kontrollierte, doppelblinde Studie mit 192 Patienten deutlich. Nach der Supplementation mit Vitamin C, Vitamin D3, Folsäure und Selen über 16 Wochen verbesserten sich die Erkältungssymptome bei den Teilnehmern mit mindestens 2 Erkältungssymptomen signifikant im Vergleich zu Placebo. Auch bei Patienten mit schweren Erkältungs-Episoden besserten sich die Symptome in einem signifikanten Ausmaß. Weniger Patienten in der Altersgruppe unter 45 Jahre waren krankgeschrieben. Patienten mit Vitamin D-Mangel und/oder ungenügender Vitamin C-Zufuhr berichteten über signifikant weniger schwere Erkältungsepisoden als die Patienten der Placebogruppe.

 

Vitamin D stimuliert antibiotisch wirkende Peptide

Für Vitamin D sind über den Knochenstoffwechsel hinausgehende Wirkungen bekannt. In den verschiedensten Zielgeweben wurden Vitamin D- Rezeptoren entdeckt, so auch in Immunzellen. Entsprechend weisen Personen mit niedrigen Vitamin D-Spiegeln ein erhöhtes Risiko für Infektionen auf.

In Untersuchungen stellte man fest, dass die Supplementation mit Vitamin D die Induktion von Cathelicidin verbesserte. Cathelicidine sind Peptide, die besonders die Barriere des Lungenepithels schützen. Auch die Abwehrleistung der Makrophagen wurde erhöht. Mit am wichtigsten ist jedoch, dass Vitamin D die Bildung von besonderen Peptiden in den Epithelzellen der Lunge stimuliert. Diese so genannten Defensine sind gezielt gegen Mikroorganismen gerichtet und schützen das Lungengewebe vor Infektionen. Tatsächlich ließ sich im Verlauf einer dreijährigen Untersuchung beobachten, dass unter Vitamin D-Supplementation die Erkältungshäufigkeit im Winter deutlich zurückging.

Zur Vorbeugung im Erkältungsfall ebenfalls sinnvoll: Händewaschen, alkoholische Handdesinfektion und das Tragen von Handschuhen oder Gesichtsmasken.

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