Intervallfasten: Die Zellregeneration stimulieren

Um sich zu regenerieren, schalten Zellen in die Autophagie um. Dieser Recyclingprozess wird durch Intervallfasten stimuliert. Auch natürliches Spermidin ist dazu in der Lage, wie Wissenschaftler im Rahmen einer Pressekonferenz berichteten. Mit zunehmendem Alter gerät die Zellregeneration jedoch ins Stocken. Dann ist Fasten nicht immer eine Option.  Wie sieht es dagegen mit Spermidin aus?…

In vielen Teilen der Welt ist Nahrung rund um die Uhr verfügbar. Den Körper dagegen prägen evolutionäre Programme, die auf einen Wechsel von Essen und Fasten eingestellt sind. Das sicherte über Jahrtausende das Überleben.

Tatsächlich übt regelmäßiges Fasten mentale Effekte aus und verbessert bestimmte Risikofaktoren, erklärte der Fastenexperte Prof. Andreas Michalsen aus Berlin. Besonders gut zu handhaben sei das Intervallfasten im Verhältnis 14 zu 10. Dabei komme es zum ‚Metabolic Switch‘ und zu Stoffwechselsignalen, die antientzündlich wirken, die Stammzellbildung anregen und die Autophagie erhöhen.

Damit sich positive Effekte bemerkbar machen, müssen die Glykogenspeicher im Körper leer sein. Das ist bei Frauen nach etwa 10 Stunden Fasten der Fall, bei Männern nach knapp 14 Stunden. Laut Studien zum Intervallfasten besteht ein Zusammenhang bei Herz und Stoffwechsel, Rheuma, Darmerkrankungen und leichten kognitiven Störungen.

Das Problem: Mit zunehmendem Alter ist Fasten nicht immer die beste Option. Und auch die Autophagie funktioniert nicht mehr so gut.

 

Zellschutz durch Recycling

Der Selbstreinigungsprozess sorgt dafür, dass fehlgefaltete Proteine oder ganze Organellen und Fremdeiweiße in Vesikel eingeschlossen und zu Aminosäuren und Lipiden abgebaut werden. Diese Grundbausteine werden recycelt oder zur Energiegewinnung genutzt.

Hier kommt nun ein körpereigenes Polyamin ins Spiel – das Spermidin. Es wirkt wie ein Autophagie-Beschleuniger, erläuterte Prof. Tobias Eisenberg von der Universität Graz. Das wurde bei Fruchtfliegen ebenso wie beim Menschen beobachtet. Spermidin erhöht das Ablesen derjenigen Gene, die für den Selbstreinigungsprozess nötig sind.

Im Alter nimmt der natürliche Spermidingehalt in allen Geweben ab, auch im Gehirn. Das könnte eine höhere Spermidinzufuhr von außen eventuell ausgleichen. Nachteilig ist jedoch, dass der Gehalt von Spermidin in Nahrungsmitteln stark schwankt und generell wenig untersucht ist. Nennenswerte Mengen finden sich immerhin in fermentierten Sojabohnen (‚Natto‘), Pilzen, Erbsen, Bohnen und Nüssen.

Im Experiment hatte eine Spermidin-Fütterung das Gehirn vor dem Verlust der Mitochondrien geschützt und die Plastizität von gealterten Synapsen bewahrt, berichtete Prof. Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin. Eine Nahrungsergänzung mit Spermidin aus Weizenkeimextrakt erwies sich in einer Vorstudie als sicher, verträglich und wirksam. Das Arbeitsgedächtnis der Teilnehmer mit subjektiver kognitiver Verschlechterung hatte sich im Vergleich zu Placebo moderat verbessert. Mittlerweile läuft die groß angelegt SmartAge-Studie mit älteren Personen, die ein erhöhtes Demenzrisiko haben. Auf die Ergebnisse im Herbst darf man gespannt sein.

 

Alles für die Selbstoptimierung 

Für manche ist Fasten nicht genug. Kluge Köpfe der Tech-Szene im Silicon Valley propagieren Nahrungsergänzungen, die die Mahlzeiten komplett ersetzen sollen. Im Trend liegen auch Extremdiäten (ein Wochenende lang nichts essen) oder striktes Intervallfasten (20:4). Alles mit dem Ziel, länger, konzentrierter und effizienter zu arbeiten. Und die ersehnte Fasteneuphorie zu spüren.

Für Liebhaber von geselligen Tafelrunden ein Kulturschock.

 

 

 

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