Auch wenn die Wechseljahre bei jeder Frau anders verlaufen, Hitzewallungen haben die allermeisten. Diese und andere Begleiterscheinungen können mit Phytoextrakten und einer Isoflavon-betonten Ernährung gemildert werden…
Es ist ein „kritischer Zeitpunkt“, so die Übersetzung des griechischen Wortes Klimakterium, wenn die Regelblutung unregelmäßig wird und schließlich ganz aufhört. Mit 52 Jahren hat die Hälfte der Frauen ihre letzte Blutung, die Menopause. Der Grund dafür ist, dass die Hormonproduktion in den Eierstöcken abnimmt. Bis dahin bilden die Follikel regelmäßig Östrogen, wozu sie durch die Steuerhormone der Hirnanhangdrüse stimuliert werden.
Ein Drittel der Frauen erlebt die hormonelle Umstellung weitgehend beschwerdefrei, ein weiteres Drittel hat leichtere Beschwerden, die länger anhalten. Bei allen anderen ist die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Doch eine Gemeinsamkeit gibt es: 85 Prozent aller Frauen leidet unter Hitzewallungen. Diese machen sich oft schon vor den Wechseljahren bemerkbar und dauern durchschnittlich fünf Jahre.
Besser Traubensilberkerze
Bei aufsteigender Hitze und Schweißausbrüchen empfiehlt sich der Wurzelextrakt der Trauben-Silberkerze, Cimicifuga oder Actaea racemosa. Tabletten mit 2,5 beziehungsweise 5 Milligramm Extrakt wirken innerhalb von 10 bis 12 Wochen und können bis zu sechs Monate lang eingenommen werden. Die glykosidischen Inhaltsstoffe modulieren den Östrogenrezeptor und imitieren sehr wahrscheinlich auch Neurotransmitter, sorgen also für eine Balance im Stoffwechsel der Botenstoffe. So reduzierte ein Spezialextrakt von 6,5 Milligramm Cimicifuga die klimakterischen Beschwerden ebenso wirksam wie Östrogene und deutlich besser als Placebo.
Ein Kraut gegen die Anspannung
Auch Müdigkeit und Schlafstörungen hängen mit dem abnehmenden Östrogen zusammen. Dadurch, dass die stimmungsaufhellende Wirkung des Hormons wegfällt, zeigen sich depressive Verstimmungen, Nervosität und Antriebslosigkeit. Gegen Stimmungstiefs verspricht Cimicifuga plus Johanniskraut Abhilfe. Wirksam ist der gesamte Extrakt, der unter anderem Hypericin und Pseudohypericin enthält. Auch Tees oder Tinkturen von Baldrianwurzel, Melissenblättern, Passionsblume oder Hopfenzapfen wirken dämpfend und beruhigend.
Im Herz-Kreislaufsystem wirken Östrogene eigentlich herzschützend und blutgefäßerweiternd. Fällt diese Schutzfunktion weg, erhöht sich das Risiko für koronare Herzerkrankungen. Dass es in den Wechseljahren zu Gelenk- und Muskelschmerzen kommt, ist auch auf den Östrogenmangel zurückzuführen. Die Gewebe werden schlechter durchblutet, die Muskelmasse nimmt altersbedingt ab und zudem schüttet das Gehirn weniger schmerzlindernde Endorphine aus.
Betroffen sind auch die Knochen: Sie werden instabiler und brüchiger. Das liegt daran, dass der Östrogenmangel den Aufbau und Umbau der Knochensubstanz beeinträchtigt. Damit erhöht sich das Risiko für eine Osteoporose. Eine vorbeugende Hormoneinnahme gegen Wechseljahrsbeschwerden, die Hormonersatztherapie, sollte jedoch nur nach gynäkologischer Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, es sei denn, das Osteoporoserisiko ist stark erhöht.
Soja auf dem Teller
Auch wenn die körperlichen Veränderungen enorm sind, kann eigenverantwortlich gehandelt werden: Sport und Bewegung steigern, auf Salz und Alkohol verzichten. Unterstützend wirken Phytoöstrogene – das sind Isoflavone aus der Sojabohne oder Lignane aus Leinsamen. Beide besitzen eine Strukturähnlichkeit zu 17-Beta-Östradiol, so dass sie an den Östrogenrezeptor binden können. Wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigte, verringerten Soja-Isoflavone die Hitzewallungen, besonders wenn sie häufig auftraten, und verhinderten den Verlust der Mineraldichte an der Lendenwirbelsäule.
Der Verzehr ist sicher, wenn man nicht mehr als 50 Milligramm Isoflavone am Tag über die Nahrung aufnimmt. Es ist eine kleine Portion Edamame oder eine Handvoll Sojasprossen, die das Leben erleichtern kann.
Der Artikel findet sich in der PTA IN DER APOTHEKE – Sonderheft Frauengesundheit ab Seite 50 https://www.diepta.de/pta-sonderhefte/frauengesundheit/wechseljahre-koerper-im-umbruch-591991/
