Phytotherapie bei Venenschwäche

Wie Rosskastanie und Rotes Weinlaub wirken

Bei Venenschwäche empfehlen Spezialisten, Kompressionsstrümpfe und pflanzliche Arzneimittel zu kombinieren. Darunter sind die Flavonoide aus rotem Weinlaub und die Saponine aus Rosskastaniensamen besonders wirksam. Sie verringern die Ödeme und reduzieren den Beinschmerz …    

Schwere Beine, Spannungsgefühl und Kribbeln – das sind die typischen Symptome einer Venenschwäche. Um diese zu mildern, werden Phytotherapeutika eingesetzt, die die Gefäßdurchlässigkeit normalisieren. So der Samenextrakt der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Er schützt die Oberfläche der gefäßauskleidenden Zellen und stellt die Gefäßbarriere wieder her. Auf diese Art gehen die Ödeme zurück.

Verantwortlich für die Wirkung ist der Inhaltsstoff Aescin. Aescin wirkt entzündungshemmend und ödemreduzierend und erhöht die Durchlässigkeit der Kapillaren. In einer systematischen Übersichtsarbeit erwies sich Rosskastanie als wirksam und sicher in der Kurzzeitbehandlung der chronischen Veneninsuffzienz. Im Vergleich zu Placebo verbesserte sich der Beinschmerz signifikant. Ein Vorteil zeigte sich auch bei der Verringerung des Beinvolumens.

Ebenso wirksam wie eine Kompression

Dass beide Anwendungen, Rosskastanienextrakt und Kompression, gleichermaßen die Ödeme reduzieren, war in einer Studie mit 240 Patienten bestätigt worden. Nach 12 Wochen hatte sich das Unterschenkelvolumen des stärker betroffenen Beines im Durchschnitt um 43,8 ml (Rosskastanienextrakt) beziehungsweise 46,7 ml (Kompressionsstrümpfe) verringert.

Mit beiden Maßnahmen konnte eine signifikante Ödemreduktion erreicht werden, die Behandlungen erweisen sich als gleichwertig und wurden gut vertragen. Eingesetzt wurden Kompressionsstrümpfe der Klasse II beziehungsweise 50 mg Aescin 2 mal täglich. Rosskastanienextrakt wird in einer Gesamtdosis von 100 mg Aescin pro Tag in zwei Portionen eingenommen.

Vorbeugung bei langem Sitzen?

Der flavonoidreiche Trockenextrakt aus dem Roten Laub der Färberrebe (Vitis vinifera) enthält Quercetin. Dieses wird nach der Resorption an Glukuronsäure gebunden und in den Blutkreislauf abgegeben. Das Quercetin-Glucuronid lagert sich dann hauptsächlich in den gefäßauskleidenden Zellen der Venen an und wirkt konzentrationsabhängig, wie ein Modell der menschlichen Venenwand zeigte.

Glucuroniertes Quercetin verhindert, dass sich die Interzellularspalten öffnen, wenn Entzündungsmediatoren vorliegen. Auch die weitgehende Reparatur von beeinträchtigten Endothelbarrieren wurde induziert. Außerdem hemmte Quercetin die Synthese des plättchenaktivierenden Faktors und des Gewebehormons Leukotrien. So kann auch der Aktivierung von Thrombozyten bei einer Venenstauung vorgebeugt werden, wie es nach langem Sitzen oder Stehen der Fall ist.

Unterschenkelvolumen verringert

Verbessert wurde auch die kutane Mikrozirkulation und die Sauerstoffversorgung, das war das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studie bei 71 Patienten mit Veneninsuffizienz im Stadium I und II. Nach 6 Wochen Behandlung mit 360 mg AS 195 wurde ein erhöhter mikrovaskulärer Blutfluss beobachtet. Auch der transkutane Sauerstoffpartialdruck war erhöht und der Umfang an Knöchel und Wade hatte sich verringert. Damit verbesserte der Extrakt AS 195 die Symptome der Venenschwäche und könnte nach Ansicht der Autoren möglicherweise einer Verschlechterung der Erkrankung vorbeugen.

In höherer Dosierung reduzierte AS 195 aus Rotem Weinlaub signifikant das Unterschenkelvolumen und verbesserte die Beschwerden, so das Fazit einer doppelblinden, randomisierten, kontrollierten Studie mit 248 Patienten, die unter moderaten bis schweren Symptomen litten. Sie erhielten 12 Wochen lang täglich 720 mg Extrakt. Danach war das Unterschenkelvolumen signifikant um durchschnittlich 19,9 ml reduziert und der Beinschmerz hatte abgenommen.

Optimale Wirkung nach vier Wochen 

Der Effekt von pflanzlichen Therapeutika setzt nicht von heute auf morgen ein. Bei den Ödemprotektiva wird eine optimale Wirkung nach circa drei bis fünf Wochen beobachtet. Die Behandlung erfordert also etwas Geduld. Mit Rosskastaniensamen steht jedoch eine wirksame und sichere Kurzzeitbehandlung zur Verfügung, die über 12 Wochen angewandt wird. Ob die Therapie verlängert wird, liegt im Ermessen des behandelnden Arztes. Rotes Weinlaub wird mindestens 3 Monate lang eingenommen, wobei auch eine langfristige Anwendung möglich ist.

Fazit

Symptomatisch bei einer Venenschwäche wirken Kompression und Phytotherapie. Wird die Kompressionsbehandlung gut vertragen, machte es Sinn, beides zu kombinieren. Die klinischen Effekte von Rotem Weinlaub und Rosskastaniensamen beruhen auf ihren antiinflammatorischen Inhaltsstoffen, die auch die Venendurchlässigkeit normalisieren. So verbesserte Aescin signifikant den Beinschmerz und die Symptomatik, wobei der Effekt gleichwertig mit einer Kompression war. Empfohlen wird eine 3-monatige Kurzzeittherapie.

Quercetin aus Weinlaub-Extrakt verbesserte die Mikrozirkulation und die Versorgung des Gewebes mit Sauerstoff. In einer Dosierung von 720 mg verringerte sich das Unterschenkelvolumen signifikant und der Beinschmerz wurde reduziert.

Schließlich die Salben: Über die Wirksamkeit liegen keine neueren Daten vor. Das bedeutet aber nicht, dass die Beschwerden nicht gelindert werden können, wenn ein kühlendes Gel aufgetragen wird.

Bei andauernden Stauungsbeschwerden zum Beispiel bei einer Adipositas hat sich der Einsatz von Rosskastanie und Rotem Weinlaub als Ergänzung zu einer Kompressionstherapie sehr bewährt. Entsprechende Empfehlungen werden von den Patienten dankbar aufgegriffen.


Prof. Dr. Markus Stücker, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie des St. Josef-Hospitals Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum

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