Nur bei Bewegung schüttet der Muskel regulatorisch wirksame Myokine aus, während das Fettgewebe rund um die Uhr entzündungsfördernde Adiponektine freisetzt. Körperliche Aktivität wirkt schützend auf Herz und Gehirn, Stoffwechsel und Psyche. Nötig für die Muskelarbeit sind essenzielle Biofaktoren.
„Regelmäßige körperliche Aktivität verringert das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion und wirkt sich ebenso auf den Verlauf von COVID-19 aus“, sagte Univ.-Prof. Dr. med. Hans-Georg Predel (Köln). Evidenzbasiert sei der gesundheitliche Effekt einer Outdoor-Aktivität: Bewegt man sich draußen, profitiert auch das Gehirn, das verdeutlichten MRT-Scans. Die graue Substanz im präfontalen Cortex nahm abhängig von der im Freien verbrachten Zeit zu, ebenso die Plastizität des Gehirns.
Bewegung schützt auch das Herz und verlängert nachgewiesenermaßen das Leben. So zeigte die Copenhagen Heart Study mit 5 107 herzgesunden Männern über ein Follow-up von vier Jahrzehnten, dass sich pro 10 ml maximaler Sauerstoffverbrauch die allgemeine Sterblichkeit um 10 % reduzierte. Bewegungsmangel hat dagegen deutliche Konsequenzen für das kardiovaskuläre System.
Dem kann man auch mit Mitte 50 entgegensteuern, wie eine Kohortenstudie mit 2 110 Personen im Alter von 38 bis 50 Jahren zeigte, welche ein Jahr lang einen Schrittzähler trugen und länger als zehn Jahre nachbeobachtet wurden. Hier wurde eine Korrelation zwischen der Anzahl der täglichen Schritte und der allgemeinen Sterblichkeit deutlich.
So hatten Teilnehmer, die täglich 7 000 Schritte oder mehr zurücklegten, eine niedrigere Mortalität als diejenigen, die weniger liefen. An der physiologischen Vermittlung der Bewegung ist Vitamin D3 beteiligt, erläuterte Predel, das mit der kardiopulmonalen Ausdauer korreliert. Magnesium wiederum unterstützt die Herzfunktion und den Gefäßtonus, für den Sauerstofftransport ist das vor allem bei Frauen kritische Eisen nötig.
Regt die Myokin-Freisetzung an
Von den über 60-Jährigen erreichen 80 % nicht die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sich 2,5 Stunden in der Woche zu bewegen, berichtete Prof. Dr. med. Klaus Völker (Münster). Bei Immobilität kommt es jedoch zu einer adipokinen Dysregulation im Stoffwechsel, wobei sich das viszerale Fett vermehrt, die Insulinempfindlichkeit abnimmt und die Entzündungsaktivität steigt. Das wirkt sich auf die Entwicklung von Typ-2-Diabetes, von Tumorerkrankungen und von neurodegenerativen Prozessen aus.
Primär sollte also die körperliche Inaktivität überwunden werden, so Völker, da der arbeitende Muskel hormonähnliche Signalstoffe ausschüttet. Diese Myokine wirken auf die Muskulatur und auf Entzündungsprozesse, sie stimulieren das Immunsystem und die Knochenbildung, schützen vor einer Tumorentwicklung und erhöhen die Spiegel des Brain-Derived Neurotrophic Factor. Dieser Nervenschutzfaktor moduliert die Plastizität der Synapsen, erhält die Integrität der Neuronen und beeinflusst Lernen und Gedächtnis.
Für alle Bewegungsabläufe sind Vitamin B und D3, Magnesium und Zink wichtig. Diese unterstützen katabole und anabole Prozesse, die Bildung von Neurotransmittern und Nervenimpulsen, die Kontraktion von Herz- und Muskeln sowie das Skelettsystem.
„Etwa 30 von 100 Personen über 65 Jahren stürzen ein Mal im Jahr“
Prof. Dr. med. Hans-Georg Classen
Etwa 30 von 100 Personen über 65 Jahre stürzen einmal im Jahr, erläuterte Prof. Dr. med. Hans-Georg Classen (Stuttgart-Hohenheim). Das geschieht oft aufgrund nachlassender Muskelkraft, verminderter Reaktionsfähigkeit und allgemeiner Instabilität. Bei diesem Frailty-Syndrom sowie bei Osteoporose und bestehender Pflegebedürftigkeit sollte auf eine optimale Versorgung mit Biofaktoren geachtet werden, speziell auf Magnesium, Calcium und Vitamin D3. Für die Synthese der Neurotransmitter sind die Kofaktoren Magnesium, Eisen, Mangan und Zink nötig. Essentiell für das Nervensystem sind die neurotropen Vitamine B1, B6 und B12, betonte Prof. Dr. med. Karl-Heinz Reiners (Wegberg).
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