Für ein leistungsfähiges Immunsystem ist die Balance der T-Helferzellen entscheidend. Um diese zu stabilisieren, werden natürliche antientzündliche bzw. immunstimulierende Substanzen eingesetzt. Das können Medizinalpflanzen, Probiotika oder Mikronährstoffe sein. Unterstützt wird das durch ganzheitliche Maßnahmen…
Weiterlesen: Das Immunsystem natürlich stärkenEine Immunstärkung mit naturheilkundlichen Mitteln erlaubt dem Immunsystem, bedrohliche Situationen zu meistern. Das können Infektionen sein, stumme Mutationen, Allergien und Unverträglichkeiten, Autoimmunreaktionen oder entzündliche Prozesse. Ein gestärktes Immunsystem bleibt im Gleichgewicht und kann überschießende Immunreaktionen dämpfen. Hierbei spielt die Funktion der T-Zellen eine wichtige Rolle. T-Helferzellen vom Typ 1 und 2 erkennen Antigene auf den präsentierenden Zellen und schütten bestimmte Zytokine aus.
Die Balance zwischen den beiden Subtypen kennzeichnet die Fähigkeit zur Immunregulation. Dabei verfolgen TH1 Zellen den Weg der zellulären Immunität und aktivieren Makrophagen, eliminieren Tumorzellen und stimulieren Hypersensibilitätsreaktionen in der Haut. TH2-Zellen sind Effektoren der humoralen Immunität und aktivieren die B-Zellen. Diese bilden hauptsächlich IGE- und neutralisierende IgG4-Antikörper. Wird ein Muster übermäßig aktiviert, kann das zu Erkrankungen führen. Andererseits kann jeder Weg den anderen auch herunterregulieren.
Das TH1 – TH2 – Gleichgewicht
Idealerweise ist die TH1/TH2-Balance ausgeglichen, mit einer Ratio zwischen 3,5 – 11,0. T2-Helferzellen dominieren allerdings bei einer Typ I-Allergieneigung, bei Parasitosen und häufig sekundär bei chronisch- entzündlichen Erkrankungen. Eine TH1-Dominanz ist typisch für persistierende Infektionen, einige Autoimmunerkrankungen, verzögert auftretende Hypersensitivitätsreaktionen der Haut sowie für Tumorerkrankungen.
Um die TH1/TH2-Balance auszugleichen, gibt es zwei therapeutische Optionen: Bei TH1-Dominanz den Trigger suchen und antientzündliche Maßnahmen einleiten; bei einer TH2-Starre die TH1-Zellen stimulieren. Pflanzen, die sowohl TH1 als auch TH2 induzieren, sind Beifuß, Mistel und Taigawurzel. Ausschließlich die TH2-Abwehr regen Curcuma longa und Echinacea purpurea bzw. E. pallida an. Auch Sitosterin, Progesteron, Melatonin, Probiotika sowie Selen und Zink beeinflussen die Balance der T-Zellen.
Pflanzliche Immunmodulatoren
Bisher wurden rund 150 Pflanzen mit einer immunmodulatorischen Aktivität identifiziert. Es gibt Pflanzenfamilien, die besonders häufig immunmodulierende Inhaltsstoffe bilden, so die Asteraceae mit dem charakteristischen Sonnenhut, Echinacea purpurea bzw. E. pallida. Der Presssaft aus E. purpurea enthält Polysaccharide, Flavonoide und Kaffeesäurederivate wie die Cichoriensäure. Diese steigern die unspezifische Abwehr, indem sie die Phagozytose von Granulozyten unterstützen und Makrophagen aktivieren. Die Bildung von Zytokinen, Interleukinen und Interferonen wird angeregt, zytotoxische T-Zellen und T-Helferzellen werden stimuliert. Gefördert wird auch die Differenzierung der B-Zellen zu antikörperbildenden Plasmazellen, die Hyaluronidase wird gehemmt und eine antivirale Aktivität aufgebaut. Gemäß Pflanzen-Monographie der European Medicines Agency sollten Echinacea-Präparate nicht länger als 2 Wochen eingenommen werden, bei einer Intervalltherapie höchstens 6 Wochen. Nicht bei Autoimmunerkrankungen und Immunschwäche einsetzen.
Ganzheitliche Immunstärkung
Geht es um die Stärkung und Regulierung des Abwehrsystems, ist der achtsame Umgang mit dem Körper ebenso wichtig. Achtsamkeit ist eine Lebensphilosophie: Jeden Augenblick bewusst erfassen, absichtslos und annehmend, ohne etwas verändern oder bewerten zu wollen. Die Trainingselemente sind Meditation, Yoga und Achtsamkeitsübungen.
Im Alltag sind außerdem drei Schritte empfehlenswert: Das Immunsystem nicht zusätzlich durch den Lebensstil schwächen, es während der Erkältungssaison entlasten, und es nachhaltig stärken. Das geschieht durch eine pflanzenbetonte Ernährung, durch Probiotika und Nahrungsergänzung.
Immunschwächend wirkt dagegen eine unausgewogene Ernährung, zuckerhaltige und alkoholische Getränke sowie das Rauchen, ob Tabak- oder E-Zigaretten. Rauchen beeinträchtigt das gesamte Immunsystem und fördert Entzündungen, es verstärkt überschießende Immunreaktionen und dämpft schützende Prozesse.
Bewegungsmangel wiederum führt zu Übergewicht und Insulinresistenz und wirkt entzündungsfördernd, weil das viszerale Fett verstärkt inflammatorische Mediatoren abgibt. Schließlich schwächen Schlafmangel und Stress die natürliche Abwehr. Kurzzeitiger (Prüfungs-) Stress unterdrückt zwar die zelluläre Abwehr, die humorale Abwehr bleibt aber funktionsfähig. Chronischer Stress beeinträchtigt jedoch beide Zweige des Immunsystems.
Ernährung und Nahrungsergänzung
- Probiotika stimulieren das angeborene und das adaptive Immunsystem,
aktivieren die Phagozytose und wirken immunregulierend, indem sie dabei helfen, entzündungsfördernde Botenstoffe reduzieren. Probiotisch wirksame Lebensmittel sind fermentiert, wie Kimchi, Sauerkraut und Sauermilchprodukte. Sie fördern das Wachstum von bestimmten Bakterien im Darm. Die immunmodulatorische Wirkung wird auf den hohen Gehalt an Antioxidantien und Milchsäurebakterien zurückgeführt6.
- Vitamin- und Mineralstoffhaushalt
Im Prinzip werden genügend Mikronährstoffe mit der pflanzlichen Nahrung zugeführt. Bei wichtigen Biofaktoren kann jedoch eine Supplementation sinnvoll sein. Das gilt für Vitamin C und Vitamin D, Zink und Selen. Zink und Selen beeinflussen die TH1/TH2-Balance, Vitamin D fördert die Differenzierung von Monozyten zu Makrophagen und steigert deren lysosomale Aktivität. Vitamin C schließlich ist ein potentes Antioxidans, wirkt auf die Synthese von IF-Gamma und steigert die Phagozytoseaktivität und T-Zell-Funktion.
Mikronährstoffsupplemente zur Immunkompetenz sind abhängig vom basalen Nährstoffstatus. Ja ausgeprägter die Unterversorgung (vor allem bei älteren Personen), desto deutlicher der klinische Nutzen einer Supplementation. Bei bestehenden Autoimmunerkrankungen sollte die Einnahme einer hochkonzentrierten Nahrungsergänzung ärztlich abgeklärt werden.
In der Erkältungszeit entlasten natürliche, antibiotische Substanzen wie Oreganoöl, Olivenblattextrakte und ätherische Öle (aus Kamille, Zitrone, Thymian, Lavendel, Zitronen-Verbene). Empfohlen wird, täglich 1- 2 dieser Substanzen anzuwenden.
- Pflanzenbasierte Ernährung
Ernährungsphysiologisch relevant sind Broccoli, Grünkohl, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Speziell Paprika und Karotten enthalten ein Pektin-Polysaccharid (Rhamnogalacturonan-1), welches das angeborene Immunsystem stimuliert. Holunderbeeren-Extrakt reduziert die Produktion von Zytokinen und initiiert die T-Helferzellen des adaptiven Immunsystems.
Die Inhaltsstoffe aus konzentriertem Sauerkirschsaft – Polyphenole, Anthocyane und Phytomelatonin – wirken bei Schlafstörungen und Altersinsomnie. Wie verschiedene Studien zeigten, verbessern sie die Schlafqualität und steigern die Schlafdauer und Schlafeffizienz. Der Hintergrund: Phytomelatonin übt einen schlafinduzierenden Effekt im zirkadianen Rhythmus aus. Die Aufnahme von Phytomelatonin ist direkt mit der antioxidativen Kapazität korreliert.
Kurz gefasst
Traditionelle Medizin-Systeme steigern die Resistenz, beispielsweise das indische Ayurveda und die traditionelle chinesische Medizin, Kampo, die japanische Pflanzenheilkunde und Unani-Tibb, das auf Hippokrates, Galen und Ibn Sina beruht, sowie die Kräuterheilkunde der westlichen Länder.
Medizinpflanzen sind die besten Reservoirs für bioaktive Komponenten, die oft auch immunmodulatorisch wirken oder das Gleichgewicht der T-Helferzellen 1 und 2 unterstützen. Behandelt man phytotherapeutisch, setzt man Agentien mit vielfältigen Inhaltsstoffen ein, die sich in der Wirkung ergänzen.
Immunstimulierende Moleküle sind nicht zuletzt in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, in Gemüse, Gewürzen, Kräutern und Früchten.
Den ganzen Beitrag lesen Sie unter:

