Physiotherapie bei sexuell übertragbaren Erkrankungen – aktuelle Forschung und zukünftige Trends   

Aus der traditionellen Medizin sind Pflanzen bekannt, die sich zur Behandlung von sexuell übertragbaren Erkrankungen eignen. Darunter Species, die gegen Treponema, Neisseria, Chlamydia oder Trichomonas wirken. Mit der Erforschung der antibiotisch wirksamen Inhaltsstoffe könnten neue Substanzen zur Verfügung stehen, die mögliche Resistenzentwicklungen verhindern.   

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) nehmen zu. In Europa stiegen die Fälle im Jahr 2022 signifikant im Vergleich zum Vorjahr an: bei Gonorrhoe um 48%, bei Syphilis um 34% und bei Chlamydien um 16%, das berichtet das European Centre for Disease Prevention and Control. Auch ältere Menschen infizieren sich. So war 2023 in Deutschland mehr als jeder dritte Syphilis-Neuerkrankte über 45 Jahre alt. Bei HIV/AIDS sind die Erkrankungsraten konstant, das Syndrom steht aber weiterhin im Fokus. 

Ergänzend zur Standtherapie werden naturheilkundliche Verfahren eingesetzt. Zum Beispiel ganzheitliche Systeme wie Naturmedizin, Homöopathie oder Ayurveda. Oder die Mind-Body Medizin mit Meditation, Tai Chi und Yoga. Die biologische Therapie umfasst Nahrungsergänzungen und Kräutersupplemente. Zu den manipulativen Praktiken gehören Massage, Chiropraktik und Osteopathie. Schließlich die energetischen Therapien mit Qigong, Reiki und therapeutischer Berührung. Diese wie auch die Body-Mind-Verfahren sind bei einer HIV-Infektion oder AIDS beliebt, da es hier keine Wechselwirkungen mit der antiretroviralen Medikation gibt. So wenden 50 bis 70% der HIV-positiven Personen in Nordamerika komplementäre Verfahren an. 

Naturheilkunde und klinische Marker bei AIDS 

Wie naturheilkundliche Verfahren bei einer HIV-Infektion oder AIDS-Erkrankung wirken, zeigte eine Fallserie aus Indien mit sieben stationären Patienten. Diese erhielten über durchschnittlich 12 Tage eine naturheilkundliche und Yoga-basierte Intervention. Ähnlich wie eine adjuvante Therapie ergänzte das die Standardversorgung, verbesserte die Therapieadhärenz und förderte gesundheitsbezogene Ergebnisse. Das zeigte sich an den typischen Markern Hämoglobin, Gewicht und CD4+ T-Zellen. Bei allen Teilnehmern stiegen die CD4+-Zellen an, ebenso der Hämoglobinspiegel und das Gewicht. Fatigue und Schmerzen verbesserten sich und das Selbstvertrauen der Patienten wuchs.

In vielen Regionen der Welt werden traditionell Heilpflanzen eingesetzt. Wissenschaftlich erforscht werden die Pflanzen und ihre Inhaltsstoffe vor allem in Mesoamerika, in Asien, auf der arabischen Halbinsel und im südlichen Afrika.

Opuntia gegen Neisseria gonorrhoeae 

Botaniker aus Südafrika untersuchten diverse Pflanzenextrakte gegen sechs klinisch relevante Pilzstämme sowie gegen N. Gonorrhoeae. Dazu bestimmten sie die Hemmzonen und identifizierten Alkaloide, Steroide, Glykoside, Terpene, Flavonoide, Tannine und Saponine als wirksame Inhaltsstoffe. Die meisten Substanzen wurden von Extrakten aus Senna didymobotrya und Ricinus communis gebildet. Dieses Wolfsmilchgewächs zeigte gemeinsam mit Catharanthus roseus, einem Enziangewächs, und Opuntia ficus-indica, dem Feigenkaktus, eine moderate bis gute Antigonokokken-Aktivität mit mehr als 63 % Hemmung. Den in-Vitro-Tests sollten pharmakologische Studien und eine Charakterisierung der aktiven Substanzen folgen, so das Resumée.

Effektive Fruchtsäure

Gegen multiresistente Bakterien, die Harnwegsinfekte oder sexuell übertragbare Erkrankungen bei indigenen Frauen auslösen, wirken die Säfte bestimmter Früchte. Wie eine Studie aus Indien verdeutlicht, zeigte Zitronensaft und der Saft von Amla, der indischen Stachelbeere, die höchste Aktivität gegen Neisseria, Klebsiella, E. coli, Pseudomonas, Ureaplasma und Proteus. Für die antibakterielle Aktivität von Zitronensaft könnte der niedrige pH-Wert verantwortlich sein. Amlasaft dagegen enthält von allen untersuchten Fruchtsäften (Orange, Granatapfel, Kiwi, Mosambi) am meisten Ascorbinsäure.

Wie genau Zitronen-, Amla- und Ananasssaft gegen pathogene Bakterien wirken, ist noch nicht vollständig geklärt. Der kritische Schritt einer Infektion ist jedoch die Adhäsion an die Zelloberfläche des Wirtes. Dieser Kontakt könnte durch die saftspezifischen Inhaltsstoffe gehemmt werden. Möglicherweise geschieht das, indem die Oberflächenstruktur der Zelle verändert wird, so dass die bakterieneigenen Pili, Adhäsine und Biofilme keine Chance haben, sich anzuheften.

„Fruchtsäfte sind kostengünstig, sicher und leicht verfügbar und wirken antibakteriell bei Harnwegs- und SIT- Infektionen“.

Chlamydien und das Pro-Drug Spilanthol 

Chlamydia trachomatis ist ein intrazellulär lebendes Bakterium, das auf die Energieproduktion der Wirtszelle angewiesen ist. Spilanthes oleracea, die Parakresse, bildet in ihren Blütenköpfchen ein ätherisches Öl mit Spilanthol, welches astringierend, antimikrobiell und antiphlogistisch wirkt. Wie eine Übersichtsarbeit zeigte, agiert Spilanthol wie ein Pro-Drug. Spilanthol wird in der Wirtszelle zum Endoperoxid umgewandelt, welches die Energiegewinnung in der Zelle stoppt. Das verhindert das Wachstum von C. trachomatis. Der mitochondriale Redoxstatus könnte die Achillesferse für Prävention und mögliche Therapie sein, so das Team aus den USA und Brasilien. In Zukunft könnten sich Spilanthol oder Spilanthol-Endoperoxid als natürliche Wirkstoffe mit Anti-Chlamydien-Wirksamkeit etablieren.

Natursubstanzen mit Anti-Trichomonas-Aktivität 

Trichomonaden sind begeißelte Protozoen, die parasitisch in der Urogenitalschleimhaut leben. In einer In Vitro-Untersuchung wurden Trichomonaden mit α-Pinen (aus Pinien) and Tanninsäure (aus den Galläpfeln verschiedener Pflanzen) inkubiert. Beide Naturstoffe hemmten die Zellkultur der Protozoen nach 48 Stunden signifikant. In der Durchflusszytometrie zeigte sich, dass die Apoptose nach 24 Stunden induziert wurde. Diese Wirkung war konzentrationsabhängig. Nun sind In Vivo-Studien nötig, um die Wirkung der Substanzen auf Trichomonas vaginalis umfassend zu klären.

Eine internationale Forschergruppe ermittelte systematisch verschiedene Medizinpflanzen und Phytochemicals, die gegen Trichomonaden wirksam sind. In Vitro bzw. in Vivo waren das unter anderem: Kurkuma (Kurkumin), Weintrauben (Resveratrol), Aloe vera und der Vielblütige Knöterich (Emodin), Dortenia und Rhabarber (Quercetin), Amaryllisgewächse (Lycorin), das Ingwergewächs Amomum (Geraniol), Beta-Glykoside, Di-und Triperpene aus Platanus acerifolia und Malus domestica, dazu Saponine aus Passiflora und essentielle Öle aus Lavandula. Außerdem bekannte Nutzpflanzen wie Eucalyptus, Carica papaya, und Cocos nucifera. Die chemischen Leitstrukturen könnten Matritzen für die Entwicklung neuer Arzneimittel sein, die sich durch eine sehr gute Verträglichkeit auszeichnen, so das Fazit des Reviews.

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Antibakteriell wirksame Hanfgewächse

Der Nesselbaum (Celtis L.) aus der Familie der Hanfgewächse wird in Bangladesch traditionell verwendet, um auch Schmerzen, Fieber, SIT, sexuelle Schwäche, Amenorrhoe und Menstruationsbeschwerden zu behandeln. 14 Species erwiesen sich als pharmakologisch interessant. Diese enthielten Phytochemicals wie Amide, organische Säuren, Terpenoide, Flavonoide und flüchtige Ester. Drei Arten waren besonders gut untersucht: C. auralis, C. africana und C. tournefortii. Die Extrakte aus Blättern, Samen und Früchten von C. australis sowie die Substanzen Kaempherol, Myricetin, Quercetin und Eugenol zeigten in vorläufigen Tests eine starke antibakterielle Wirksamkeit, auch gegenüber resistenten Stämmen; sie wirkten zudem antiinflammatorisch, antikanzerogen und hemmten die bakterielle Urease. Wie die Pharmazeuten aus Dhaka, Bangladesh, resümierten, sei ein zukünftiger Einsatz als Leitsubstanzen und Nutraceuticals vorstellbar.

Ein neuer Blickwinkel

Aus der Ethnobotanik sind Medizinalpflanzen bekannt, die nun auch wissenschaftlich untersucht werden. Mit der Analyse der wirksamen Inhaltsstoffe werden in Zukunft pharmakologische Untersuchungen und klinische Studien folgen. Möglicherweise lassen sich so neue Arzneimittel gewinnen, die ihren Ursprung in der Natur haben und Bestandteil von traditionellen Kulturen sind. 

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