Frisch geimpft. Doch manchmal treten Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit und Fieber auf. Welche Möglichkeiten eröffnet die naturheilkundliche Impfbegleitung? Dass Impfreaktionen auch auf den Nocebo-Effekt zurückzuführen sind, zeigt eine Meta-Analyse…
Kommt es nach einer Impfung zu vorübergehenden, lokalen oder systemischen Reaktionen, sind das erwünschte Auseinandersetzungen des Immunsystems mit dem Impfstoff. Die Symptomatik hängt davon ab, gegen welchen Erreger geimpft wurde. So können nach einer Influenza-Impfung Fieber und Schüttelfrost oder grippeähnliche Beschwerden auftreten. Auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Unwohlsein und Schwindelgefühl werden beschrieben.
„Die häufigste lokale Reaktion bei einer Impfung sind Druckschmerzen an der Einstichstelle“
Typisch für eine Tetanus-Impfung sind dagegen Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. Nach einer Varizella-zoster-Impfung dominieren Muskelschmerzen im geimpften Arm. Da diese Vakzination sehr Reaktoren ist, können auch Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schüttelfrost folgen. Zeitlich verzögert nach einer Masern-Mumps-Röteln- oder Varizella-Impfung kann die Speicheldrüse leicht anschwellen, dazu kommen kurzzeitige Gelenkschmerzen oder ein flüchtiges Exanthem. Milde gastrointestinale Beschwerden stehen hingegen mit der der oralen Rotavirus- oder Typhus-Impfung in Zusammenhang.
Wie der Körper reagiert
Diese temporär auftretenden Impfreaktionen deuten darauf hin, dass der Körper auf die Injektion, den Impfstoff oder auf zugesetzte Adjuvanzien reagiert. Impfreaktionen sind nicht zu verwechseln mit dauerhaften Impfschäden. Dieser juristische Begriff wird definiert als „gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende gesundheitliche Schädigung durch die Schutzimpfung“.
Im Hinblick auf Impfreaktionen spielt es auch eine Rolle, ob Lebend- oder Totimpfstoffe eingesetzt werden. Beim Totimpfstoff werden inaktivierte Viren oder Bakterien, inaktive Bestandteile oder Untereinheiten des Erregers verwendet. So wird die Bildung von IgG-Antikörpern und T-Gedächtniszellen angeregt. Impft man mit Totimpfstoffen, erhält man eine schwächere Immunantwort, die im Vorfeld durch Adjuvanzien wie Aluminiumhydroxid gesteigert werden kann.
Beispiel: Hepatitis, Polio, Pneumokokken, Herpes zoster, FSME. Eventuelle Impfreaktionen treten meist am 1. oder 2. Tag post vaccinationem auf. Eine Auffrischungsimpfung ist nötig. Totimpfstoffe sind mit allen anderen Impfungen kombinierbar.
Seltener werden Lebendimpfstoffe verwendet, die niedrige Dosen an abgeschwächten, doch vermehrungsfähigen Erregern enthalten. Die Immunität besteht lebenslang. Zum Beispiel bei der Influenzaimpfung mit Nasenspray für Kleinkinder und Jugendliche, die bei einer Spritzenphobie oder bei Gerinnungsstörungen indiziert ist. Schluckimpfungen werden gegen schwere gastrointestinale Infektionserkrankungen eingesetzt, beispielsweise mit abgeschwächten Poliomyelitis- und Rotaviren. Hier können Impfreaktionen erst Tage später auftreten.
Seit 2021 sind mRNA-Impfstoffe gegen das SARS-CoV-2 Virus erhältlich. Verabreicht wird die virale Ribonukleinsäure, die im Kern der Wirtszelle in Desoxyribonukleinsäure transkribiert wird; nach der Translation wird das Virus-Antigen produziert, gegen das eine Immunantwort gewünscht wird.
Phytotherapeutische Behandlung nach dem Impfen
In der Phytotherapie werden traditionell Pflanzen eingesetzt, die antientzündliche, schmerzlindernde und hautschützende Eigenschaften aufweisen. Die Extrakte, Tinkturen oder Cremes werden lokal aufgetragen oder als Umschlag angewandt.
– Kamille wirkt antiphlogistisch und reizlindernd. Als Auflage (3-10%), Creme oder Salbe ein- bis dreimal täglich dünn auftragen.
– Ringelblume – antiinflammatorisch und antiödematös. Als Umschlag (Tinktur 1:6 ) zweimal täglich oder als Salbe.
– Hamamelis wirkt antiphlogistisch und leicht oberflächlich anästhesierend. Fluidextrakt (1:3) als Umschlag einmal dünn auftragen, Salbe einmal dünn auftragen.
– Arnika – analgetisch und antiphlogistisch. Bei Schmerzen an der Impfstelle Anika-Salbe (30%) mehrmals täglich dünn auftragen, Arnika-Essenz (1:10) als nächtlicher Umschlag. Bei Kopfschmerzen Arnika-Essenz als Kopfumschlag.
Bewährte Allgemeinmaßnahmen
Bewährt hat sich die Schonung am Tag der Impfung. Bei einer Lebendimpfung noch etwas länger schonen, da die Symptome erst nach mehreren Tagen auftreten können. Sofortmaßnahme: Den betroffenen Arm ruhig halten, schmerzende Stelle kühlen (Kühlpack aus dem Kühlschrank; eiskaltes Pack in ein dünnes Handtuch einwickeln). Starke körperliche Anstrengung und Sport am Tag der Impfung vermeiden, weil dadurch Impfreaktionen ausgelöst werden können. Ungeübte Saunagänger sollten auf die Sauna verzichten.
„Es wird nicht empfohlen, fiebersenkende Mittel prophylaktisch einzunehmen“
Aus naturheilkundlicher Sicht ist eine erhöhte Körpertemperatur eine natürliche Heilreaktion, die nicht unterdrückt werden sollte. Erst ab 39°C mit kühlen, nicht eiskalten Wadenwickeln behandeln. Dann eventuell mit Ibuprofen oder Paracetamol. Eine prophylaktische Einnahme der Antipyretika wird nicht empfohlen, da das die Impfwirkung und damit die Antikörperbildung beeinträchtigen kann. Nach der Impfung auf Alkohol verzichten.
Impfbegleitung mit spagyrischen Globuli
Spagyrische Arzneimittel werden in einem mehrstufige labortechnischen Aufbereitungsprozess von Gärung, Destillation und Kalzination hergestellt. Die erhaltene Substanz soll heilkräftiger und therapeutisch wirksamer sein als ihr Ausgangsmaterial.
Globuli mit spagyrischen Essenzen sollen etwaige Schmerzen verringern und das Immunsystem nach einer Impfung unterstützen. Mit der Einnahme eine Woche vor der Impfung beginnen und anschließend bis zwei Wochen weiterführen:
Arnica wirkt u.a. heilungsfördernd bei Gewebeverletzungen, bei Entzündungen, Schwellungen und Schmerzzuständen und unterstützt den Körper bei entzündlichen Prozessen.
Vincetoxicum (Schwalbenwurz): hilft u.a. dem Körper bei der Auseinandersetzung mit Viren, hilfreich bei Schnupfen, Erkältungen und grippalen Infekten.
Thuja (Lebensbaum) wirkt u.a. reinigend auf das Lymphsystem , entgiftet den Körper und stärkt die Abwehrkräfte, hilfreich bei chronischen Entzündungen.
Echinacea (Sonnenhut): stärkt u.a. das Immunsystem und die Abwehrkräfte, sorgt dafür, dass Infekte schneller ausheilen, unterstützend bei fieberhaften Erkrankungen und grippalen Infekten.
Hypericum (Johanniskraut): stärkt u.a. Nerven und Psyche, regeneriert geschädigte und gereizte Nerven.
Bolus alba (Weißer Ton): bindet u.a. schädliche Stoffe, Magensäure und Bakteriengifte.
Allerdings liegen für die Impfbegleitung mit spgyrischen Globuli keine randomisierten, kontrollierten Studien, systematische Reviews oder immunologische Untersuchungen vor. Entsprechende Anwendungen basieren auf erfahrungsmedizinischen Konzepten ohne gesicherte Evidenz.
Homöopathische Arzneimittel
Silicea (Acidum silicicum) D6, auch als Schüssler-Salz: bei Entzündungen, Erkältungen, Hautausschlägen, häufig bei Impfreaktionen empfohlen; mehrmals täglich 3 Globuli, nicht häufiger als fünfmal am Tag einnehmen
Thuja (Thuja occidentalis) D6: kann Schwellungen, Hautreaktionen und Muskelschmerzen lindern; soll die Wirkung der Impfung unterstützen; dreimal täglich 5 Globuli
Zur Vorbeugung vor Impfreaktionen: eine Stunde nach der Impfung zweimal 3 Globuli D30 einnehmen.
Sepia (Sepia officinalis) Globuli D6 oder D12: u.a. bei Erkältungsbeschwerden, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Hautausschlag. 3 Globuli mehrmals täglich, nicht öfter als sechsmal einnehmen. Hochpotenzen nach Anamnese und Verordnung. Bei einer Verschlimmerung sollte die homöopathische Behandlung unterbrochen werden.
Impfnosoden
Besonders für Babys und Kinder wird in der Homöopathie die Begleitung mit Impfnosoden empfohlen. Die nach dem Gleichheitsprinzip wirkenden Nosoden enthalten den entsprechenden Impfstoff/Erreger in tief oder mittel potenzierter Form (Globuli in C7, C15 und C13). Es gibt Kombisets für alle von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen (von 0 bis 18 Jahren).
Für Erwachsene sind Tetanus-Diphterie-Pertussis-Polio-Nosoden sowie Herpes-zoster-Nosoden erhältlich, ebenso Nosoden für alle verwendeten COVID-19 Impfstoffe.
Wichtig: Nosoden ersetzen keine Impfung, sie sollen Impfreaktionen vermeiden oder reduzieren. Eingesetzt auch zur Ausleitungstherapie bei chronischen Hautveränderungen oder chronischen Infekten, die mit einer Impfung in Zusammenhang gebracht werden können.
Placebo und Nocebo bei der COVID-19 Impfung
Von unerwünschten Wirkungen in der Placebo-Gruppe nach einer COVID-19 Impfung berichten Forschende der Harvard Medical School, der Philipps Universität Marburg, des Edincott College in Beverly, Massachusetts, sowie des Weill Cornell Medical College in New York.
Wie das systematische Review mit Meta-Analyse zeigte, traten bei 35,2% der Placebo-Gruppe (Kochsalzlösung ohne Adjuvanzien) nach der 1. Impfung unerwünschte systemische Wirkungen auf; in der Wirkstoffgruppe bei 46%. Nach der 2. Impfung waren es unter Placebo noch 31,8%. Diese Zahlen sollten in Impfprogrammen berücksichtigt werden, so die Autoren, gerade weil Bedenken zu Nebenwirkungen ein Grund für zögerliches Impfen sind.
Kurz gefasst
Naturheilkundliche Verfahren können eine Impfung begleiten oder unterstützen. Geeignet sind physikalische Maßnahmen wie Kühlen sowie Lokalbehandlungen mit pflanzlichen Umschlägen oder Salben – traditionell mit Kamille, Ringelblume und Arnika.
In der homöopathischen Erfahrungsmedizin zeigten Globuli mit Silicea, Thuja und Sepia eine Wirksamkeit. Laut einem systematischen Review ist – zumindest bei der COVID-19 Impfung – mit einem substanziellen Anteil von Impfreaktionen zu rechnen, auch wenn diese von vornherein (als Nocebo-Effekt) erwartet wurden.

