Wenn die Knochen schwinden

Fast jede Frau ist von einer Osteoporose betroffen. So verliert sie im Laufe des Lebens bis zu 40 Prozent ihrer Knochenmasse. Doch es lässt sich vorbeugen

Geschätzte vier bis sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Osteoporose, davon 80 Prozent Frauen. Das Skelett büßt an Festigkeit ein, so dass es zu Knochendeformationen, Wirbelkörpereinbrüchen und Frakturen kommt. Eine Osteoporose vom Typ I dominiert nach den Wechseljahren und ist hormonbedingt, während Typ II im Alter bei Männern und Frauen gleichermaßen auftritt.

Nicht ohne Calcium

Die Knochensubstanz besteht zu 80 Prozent aus anorganischen Calciumphosphaten. Diese liegen vorwiegend als stabiles Hydroxylapatit vor. Dazu kommt zugfestes Kollagen, das für Elastizität sorgt, sowie calciumbindende Proteine. Den Auf- und Umbau gestalten die knochenbildenden Osteoblasten und die knochenabbauenden Osteoklasten. Dieser dynamische Prozess wird durch Parathormon, Calcitonin und Vitamin D reguliert.

Während das Parathormon die Calciumkonzentration im Blut erhöht, bewirkt Calcitonin, dass weniger Calcium aus den Knochen freigesetzt wird. Auch Östrogene, Androgene, Wachstumsfaktoren und Zytokine sind beteiligt. Auf diese Art werden pro Jahr vier Prozent des gesamten Knochengewebes ersetzt. Neue Knochen entstehen überwiegend in der Kindheit und Jugend, so dass die maximale Knochenmasse fast vollständig bis zum 20. Lebensjahr erreicht wird. Mit 35 Jahren beginnt bei Frauen der Knochenabbau. Ab dann verringert sich die Knochenmasse um bis zu 1,5 Prozent pro Jahr.

Risikofaktoren für eine Osteoporose sind 

  • wenig Bewegung oder längere Bettruhe, 
  • ein Mangel an Calcium und Vitamin D,
  • Phosphat und Oxalsäure aus der Nahrung, zum Beispiel aus Weißbrot, Wurst, Schmelzkäse oder Softdrinks,
  • viel tierische Proteine zu verzehren,
  • mehr als 4 Tassen Kaffee am Tag zu trinken,
  • Tabak und Alkohol,  
  • ein Körpergewicht von unter 55 Kilogramm und/oder früh einsetzende Wechseljahre. 

Nach den Wechseljahren  

Lässt die Östrogenbildung nach, werden bestimmte Gewebshormone stimuliert, die kochenaufweichend wirken. Dadurch wird Calcium freigesetzt und die Knochenstruktur geschwächt. Zu den stärksten Knochenmasseverlusten kommt es drei bis sechs Jahre nach der letzten Regelblutung. Tatsächlich leidet ein Drittel der Frauen nach der Menopause unter einer Osteoporose, nach dem 70. Lebensjahr sind das sogar mehr als 45 Prozent. 

Die typischen Symptome sind Knochenschmerzen und Frakturen an Oberschenkelhals, Handgelenken oder Wirbelkörpern. Auch Brüche, die nicht heilen wollen, ein Rundrücken und der Verlust der Körpergröße deuten auf eine Osteoporose hin. Die Diagnose wird mit Hilfe der Knochendichtemessung gestellt. Dabei misst man den Mineralgehalt an Lendenwirbelsäule oder Hüfte mit der Dual Energy X-Ray Absorptiometry, kurz DEXA. Röntgenaufnahmen machen Deformationen der Wirbelsäule sichtbar. Und auf computertomographisch erstellten Schnittbildern lässt sich ein gebrochener Wirbelkörper lokalisieren. 

Am besten gemeinsam 

Damit Knochen aufgebaut werden können, wird Calcium benötigt. Auch Vitamin D ist essentiell. Es fördert die Calciumaufnahme aus dem Darm und die Einlagerung in das Skelett. Gemäß den Leitlinien zur Osteoporose-Behandlung sollten Frauen pro Tag 1.000 Milligramm Calcium über die Nahrung aufnehmen. Nur wenn das nicht erreicht wird, kommt eine Supplementation mit einer Einzeldosis von 500 Milligramm in Betracht. Besonders geeignet ist Calciumcitrat, das unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann. Insgesamt – über die Nahrung und durch Supplemente – sollten täglich 1.200 Milligramm Calcium erreicht werden. Ein optimaler Schutz vor Brüchen ist gegeben, wenn gleichzeitig mindestens 800 I. E. oder 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag aufgenommen werden, alternativ 10.000 I.E. pro Woche.

Ernährungsberatung

Bisher ist es nicht möglich, das Knochengewebe durch eine Therapie vollständig zu regenerieren. Deshalb ist die Vorbeugung so wichtig: 

Sich regelmäßig körperlich betätigen, um die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.

Calciumreiche Nahrungsmittel sind Milch, Grünkohl, Broccoli und Mineralwasser mit viel Calcium. Entscheidend ist die Zufuhr im Kindes- und Jugendalter; so benötigen Mädchen langfristig mindestens 1.300 Milligramm Calcium am Tag.

Die Vitamin D-Bildung in der Haut wird angeregt, wenn Gesicht und Arme täglich 30 Minuten lang von der Sonne beschienen werden. Vitamin D ist außerdem in Lachs, Hering, Sardinen und in Pilzen enthalten.    

Der Beitrag ist erschienen im Sonderheft  Frauengesundheit der PTA in der Apotheke:                                                            

https://www.diepta.de/pta-sonderhefte/frauengesundheit/osteoporose-wenn-die-knochen-schwinden-592007/

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