In der traditionellen chinesischen Medizin ist Jiaogulan als Adaptogen bekannt. Das Kürbisgewächs, das aktuell als ‚Kraut der Unsterblichkeit‘ hochgejubelt wird, enthält Saponinglykoside und Flavonoide. Doch Belege für eine gesundheitliche Wirkung fehlen…
Gynostemma pentaphyllum stammt aus der südchinesischen Provinz Guizhou, in der seit Generationen viele hochbetagte Menschen leben. Das wird auf den regelmäßigen Genuss von Tee aus den Blättern von Gynostemma zurückgeführt. Traditionell wird Jiaogulan als stärkend und unterstützend für die Herzgesundheit und Stressbewältigung geschätzt.
Die Pflanze enthält relevante Mengen an Saponinen, schätzungsweise 7%. Diese für viele Pflanzenfamilien charakteristischen Glykoside sind in geringen Mengen ungiftig, wenn sie oral aufgenommen werden. Auch in der Ginseng-Wurzel finden sich Triterpensaponine, weswegen die Wirkungen von Ginseng und Jiaogulan verglichen werden, auch wenn die Pflanzen nicht verwandt sind. Für gesundheitsbezogene Aussagen wie ‚Anti-Aging‘ oder ‚Immunstärkung‘ gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege.
Novel Food ohne Bewertung
Die Europäische Union stuft Jiaogulan als „neuartiges Lebensmittel“ (Novel Food) ein. Dazu gehören Lebensmittel, die aus Mikroorganismen, Pilzen und Algen oder Pflanzen und Pflanzenteilen stammen, welche vor 1997 nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurden.
Bevor solche Novel Foods in den Verkehr gebracht werden können, müssen sie einer gesundheitlichen Bewertung unterzogen werden. Deshalb wird Jiaogulan in der Europäischen Union bisher nicht als Lebensmittel anerkannt.
Jiaogulan-Extrakte, Blätter und Pulver werden jedoch in Online-Shops als pflanzlicher Rohstoff angeboten, der meist aus China stammt, und teilweise mit Warnhinweisen versehen ist („Nicht zum Verzehr geeignet, kein Lebensmittel“). Frische Gynostemma-Pflanzen können in Gärtnereien gekauft werden.
Gemäß Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann keine umfassende Sicherheitsbewertung vorgenommen werden, da toxikologische Studien und Verzehrsdaten fehlen, so der Stand von 2012.
Kurz gefasst Auch wenn Jiaogulan Inhaltsstoffe enthält, die ähnlich wie Ginseng wirken sollen (nämlich stärkend, herzunterstützend und stressabfedernd), fehlen aussagekräftige Humanstudien.
Solange die Europäische Union Gynostemma pentaphyllum nicht bewertet hat, sollte man den unkontrollierten Verzehr meiden, so das BfR.
Dabei ist zu beachten: Jiaogulan-Präparate aus dem Online-Handel sind nicht kontrolliert und können Schadstoffe und Pestizidrückstände enthalten.

