Fresh beetroot with leafy greens on a wooden cutting board

Rote Beete – Superfood für die Gesundheit 

Durch Ernährung die Gesundheit fördern? Das Beispiel der Roten Bete zeigt, wie es geht. Denn Beta vulgaris ist eine vielversprechende Nahrungspflanze, die in einer einzigen Knolle herzschützende, antioxidative und Mikrobiom-modulierende Eigenschaften vereinigt.  

Die Rote Rübe verdankt ihren Namen der oberirdischen Sprossknolle und den roten Pigmenten. Seit dem Altertum ist die Bete als Nahrungspflanze bekannt, wobei damals vor allem die Blätter verzehrt wurden. Die Wildform ist in Südwestasien heimisch, die Kulturform, die schwarze Beta-Sorte, stammt vermutlich aus dem antiken Rom. Im Mittelalter wurde die Rote Bete dann auch medizinisch genutzt – für Blut, Herz und Verdauung. 

Mit ungefähr 45 Kilokalorien pro 100 Gramm ist die Bete sehr kalorienarm, dafür reich an Ballaststoffen (circa 2,4 Gramm). Daneben enthält sie ungefähr 11 Gramm Kohlenhydrate, circa 2 Gramm Eiweiß und wenig Fett (0,1-0,2 Gramm). Dass die Knolle rot gefärbt ist, liegt an den sekundären Pflanzenstoffen Betalain und Betanin, die zu den ungiftigen Alkaloiden und den Cyanen gehören und bioaktiv wirken. Außerdem enthält Beta vulgaris Folsäure sowie Eisen und liefert Kalium, Magnesium, Zink, Vitamin B und Vitamin C. 

Bioaktive Inhaltsstoffe

Betalaine sind stickstoffhaltige Farbstoffe, die einzig bei den Nelkengewächsen (Carophyllales) vorkommen, zu denen auch die Rote Bete gehört. Betalaine ersetzen hier die normalerweise vorhandenen rot-blauen Anthocyane. Ist Betalain mit einer Aminosäure verknüpft, entsteht der rote Pflanzenfarbstoff Betacyan, zu dem auch das Betanin gehört. Es ist wasserlöslich und wirkt als starkes Antioxidans.

Rote Beete sind reich an Nitrat (NO3-). Dieser wird im Speichel zu Nitrit (NO2-) umgewandelt: Nitrit setzt Stickstoffmonoxid (NO) frei, das über eine Aktivierung der Guanylatcylase die Gefäße erweitert, den Blutdruck senkt, das Herz entlastet, den Sauerstoffbedarf reduziert und auch die Durchblutung verbessert.

Außerdem enthält Beta vulgaris Vitamin B1, B2, B6 und Niacin, dazu Vitamin A und C und viel Folsäure. Unter den Mineralstoffen fällt Kalium mit circa 407 Milligramm pro 100 Gramm ins Gewicht, welches für Herz und Muskulatur nötig ist. Dazu kommt Magnesium und Eisen, das wichtig für die Bildung von Hämoglobin ist, außerdem Calcium, Phosphor, Jod und Zink. 

Unter den sekundären Pflanzenstoffe ragen Phenolsäuren mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung heraus, dazu Flavonoide, die antioxidativ reagieren sowie Saponine, welche das Immunsystem unterstützen. Dazu kommen zellschützende Polyphenole und Carotinoide, die die Vorstufe von Vitamin A (Provitamin A) liefern. 

Gefäßerweiternd, cholesterinsenkend und entzündungshemmend

Dass eine pflanzenbetonte Ernährung gesundheitliche Vorteile verspricht, ist seit den Untersuchungen um die Mediterrane Diät und die ‚Dietary approaches to stop Hypertension‘- (DASH) Diät bekannt. So zeigte die DASH-Studie bereits 1999, dass eine spezielle Ernährung den Blutdruck bei Personen mit Prähypertonie und Grad- I Bluthochdruck effektiv reduzierte. Die Nahrung war reich an Obst und Gemüse, enthielt fettreduzierte Milchprodukte sowie generell wenig Fett (besonders gesättigte Fettsäuren) und gezuckerte Produkte. Im Hinblick darauf ist auch die Rote Bete interessant, sind doch die Inhaltsstoffe Betalain und Nitrat kardiovaskulär wirksam. 

Und das funktioniert folgendermaßen: Nahrungs-Nitrat wird anteilig aus dem Blut in die Speicheldrüse aufgenommen und von den Bakterien im Mundraum zu Nitrit reduziert. Nitrit wird geschluckt, resorbiert und in den Kreislauf abgegeben. In den Geweben wird Nitrit zu Stickstoffoxid reduziert, welches die Weite der Blutgefäße reguliert. 

Eine eigene Wirkung entfaltet das Pigment Betalain: Eine zweiwöchige Supplementation mit einem betalainreichen Extrakt (50 mg/Tag) senkte das Gesamtcholesterin, die Trigylceride und das Nicht-HDL-Cholesterin im Plasma von Nichtrauchern, die an der koronaren Herzerkrankung litten. Ebenso reduziert wurde das Verhältnis von TC/HDL-c und LDL-c.

Außerdem beobachtete man, dass sich der systolische und diastolische Blutdruck bei der Gruppe, die das betalainreiche Supplement erhielt, signifikant verringerte. Wie die Autoren annehmen, könnte der blutdrucksenkende Effekt des Betalain-Extraktes durch reduzierte Homocysteinspiegel im Plasma vermittelt werden. Erhöhte Homocysteinwerte führen dagegen zu Schäden an den Zellen, verringern die Flexibilität der Gefäße und fördern damit eine Hypertonie.  

Wie aktuelles Wissen zeigt, ist der Farbstoff Betanin antioxidativ wirksam. Betanin verhindert nicht nur die Bildung von Sauerstoffradikalen, sondern moduliert auch das endogene antioxidative System. Und zwar in der Art, dass die Transkription von Genen gefördert wird, die antioxidative Enzyme kodieren. Je nach Zubereitung des Supplements (Saft oder Extrakt) können zusätzliche phenolische Komponenten wirksam sein.   

Außerdem schwächte Rote Bete-Extrakt eine Entzündung ab, wobei sich die Spiegel von inflammatorischen Zytokinen (TNF-α und IL-6) verringerten und entzündungsauslösende Chemokine gehemmt wurden.

Ein neuroprotektives Lebensmittel?

Für die Alzheimer’sche Erkrankung – die Hauptursache einer Demenz – sind die Behandlungsoptionen begrenzt, auch wenn sehr viel geforscht wird. Damit rücken Ernährungsstrategien und deren Einfluss auf die Krankheitsentstehung in den Vordergrund. Hier kommen die bioaktiven Inhaltsstoffe der Roten Bete – Nitrat, Betalain und Polyphenole – ins Spiel.

Ob diese auch neuroprotektiv wirken, fragten sich Forschende der Universitäten Blantyre und Newcastle upon Tyne im Vereinigten Königreich. So weisen Humanstudien darauf hin, dass die nitratreiche Rote Bete den zerebralen Blutfluss und die Gefäßreaktivität verbessert. 

Auch wenn die Ergebnisse uneinheitlich sind, so die Forschenden, erscheint die Rote Bete als vielversprechende Nahrungspflanze mit vaskulären, antioxidativen, antientzündlichen und auch mikrobiommodulierenden Eigenschaften.

Der Hintergrund: Spezielle Bakterien in der Mundhöhle (Neisseria, Veillonella) reduzieren Nitrat zu Nitrit. Der Konsum von Betesaft reicherte diese Species an und unterdrückte pathogene Arten, die mit einem kognitiven Abfall und M. Alzheimer verbunden sind. 

Immer deutlicher wird, dass auch eine Dysbiose im Darmmikrobiom zur Alzheimer- Erkrankung beiträgt. Hier setzen die speziellen Inhaltsstoffe der Roten Bete an. Die Betalaine und Polyphenole werden von den Darmbakterien zu bioaktiven Metaboliten verstoffwechselt. Diese wirken wie Präbiotika, beeinflussen also die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Aus Verzehrstudien weiß man außerdem, dass die Darmflora aus den Faserstoffen der Knolle kurzkettige Fettsäuren bildet. Diese durchdringen die Blut-Hirn-Schranke, modulieren die Mikroglia-Aktivität, unterdrücken die Neuroinflammation und mildern die alzheimertypischen Proteine Amyloid-Beta und Tau – und wirken dadurch vermutlich neuroprotektiv. 

Phytochemicals in Roten Beten: Betalaine, Polyphenole und Nitrate

Praktische Tipps

Möchte man den Blutdruck natürlich gesund erhalten, kann man täglich 250–500 ml Rote-Bete-Saft trinken oder die entsprechende Nitratmenge aus Gemüse aufnehmen. Den Saft am besten frisch mit einem Zentrifugen-Entsafter oder einer Saftpresse herstellen, das schont die Nährstoffe. Im Kühlschrank hält der Saft wenige Tage. 

Der Grad der Nitrat-zu-NO-Umwandlung kann stark zwischen Individuen variieren und ist abhängig von Mundmikrobiom, Ernährung und Medikamenteneinnahme.

Rote Betesaft kann den Urin rot färben (harmlos) und mit einigen Arzneimitteln interagieren, die den Stickstoffoxid-Weg beeinflussen. Nicht bei Oxalat-Nierensteinen geeignet. Antibakterielle Mundspülungen können die Nitratumwandlung blockieren. 

Trinkt man Rote- Bete-Saft und kombiniert das mit Bewegung, können sich synergistische Effekte auf die kardiovaskuläre und kognitive Gesundheit entwickeln.

Fazit

Rote Beete kann gekocht, roh gerieben, als Saft oder in Suppen verarbeitet werden. Die Knolle ist ein vielseitiges Gemüse, ganzjährig verfügbar, und enthält besondere bioaktive Verbindungen. Denkt man an den leistungssteigernden Effekt im Sport, ist es kein Wunder, dass der Weltmarkt für Rote-Bete-Saft jedes Jahr um 5 Prozent wächst.

Möchte man die ganze Bete verzehren, nimmt man pralle Knollen mit glatter Schale und grünen Blättern. Die Rübe nicht kochen, denn so blutet sie aus und verliert ihre Inhaltsstoffe. Besser mit Schale im Ofen garen, wodurch der süße Geschmack gut zur Geltung kommt.

Auch die wissenschaftliche Evidenz spricht für die Rote Bete als funktionelles Lebensmittel mit nachgewiesenen klinischen Effekten – besonders für die kardiovaskuläre Gesundheit, die Modulation von Entzündungen und möglicherweise auch für einen Nervenschutz.

Der ganze Beitrag ist erschienen in der August-Ausgabe von CO.med

https://files.mgbfv.de/komplementaer/COmed/Online/com_IVZ.pdf

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