Wild blueberry bush bearing ripe berries in a sunlit forest

Die heilsamen Inhaltsstoffe der Wildheidelbeere 

Antientzündliche und gefäßaktive Wirkung

Das, was wir essen, beeinflusst unsere Gesundheit. So auch die Wildheidelbeere mit ihren bioaktiven Anthocyanen. Wie aktuelle Studien verdeutlichen, entfalten die Anthocyane im Organismus erstaunliche Wirkungen. Damit könnten die Pflanzenstoffe eine Option sein, um chronische Entzündungen zu verringern und gesund zu altern

Der Kreislauf der Natur besteht aus Werden, Vergehen und Entstehen. Er basiert auf Symbiose und gegenseitiger Abhängigkeit – und ist damit das perfekte Modell für Nachhaltigkeit. Auch die Wildheidelbeere ist Teil dieses organischen Systems. Vaccinium myrtillus bildet seine Beeren von Juni bis August. Die Früchte werden von Tieren gefressen, um die Samen zu verbreiten. Die begrenzte Reifezeit steht damit im Kontrast zur Verfügbarkeit jederzeit und überall. Maßhalten bestimmt auch die Ernte: Nicht mehr entnehmen, als das Biotop regenerieren kann. Denn die Wildheidelbeere ist eingebettet in ein Netzwerk aus Mykorrhiza-Pilzen im Boden, sauren Humusauflagen, besonderen Lichtverhältnissen und einem spezifischen Mikroklima.  

Der Zwergstrauch besitzt sommergrüne, scharfkantige Zweige und eiförmige, gesägte Blätter. Die Beeren haben den typischen Kelchring, tiefblaues Fruchtfleisch und stark färbenden Saft. Verbreitet ist das Erikagewächs in Nordeuropa, im Ural und im Norden Asiens. Die Wildheidelbeere liebt lichte Wälder, ausgedehnte Moore und saure Böden. WährendVaccinium myrtillus ihrem eigenen Zyklus folgt, ist die Kulturheidelbeere (Vaccinium corymbosum) auf Größe und Ertrag optimiert. 

Wild blueberry bush bearing ripe berries in a sunlit forest

Die besonderen Umweltbedingungen der Wildheidelbeere finden sich in der Fruchtmatrix wieder: Sie enthält Ballaststoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Fruchtsäuren, die Vitamine C, E und Provitamin A, Mineralstoffe sowie die farbgebenden Anthocyane. Die wasserlöslichen, ringförmigen Moleküle, die zur Klasse der Polyphenole gehören, sind in wild wachsenden Heidelbeeren höher konzentriert als in der Kulturform. Wie Studien zeigten, haben die Anthocyane eine antientzündliche und antioxidative, lipidmodifizierende und gefäßschützende Wirkung. Außerdem aktivieren sie neuroprotektive Mechanismen.

Antientzündlich und antioxidativ

Herz- Kreislauferkrankungen, erhöhte Insulinwerte, Diabetes mellitus und neurodegenerative Prozesse haben Eines gemeinsam: sie beruhen auf subklinischen Entzündungen. Auch das Immunsystem und Alterungsprozesse werden durch Entzündung und oxidativen Stress beeinflusst. Hier setzt die Wirkung der Anthocyane an: Wie man aus der Forschung weiß, hemmen Wildheidelbeeren die Bildung entzündungsfördernder Zytokine. Das geschieht, indem die Genexpression des Transkriptionsfaktors NF-kB gedrosselt wird.

Von allen Beeren weisen Heidelbeeren die breiteste Palette und den höchsten Gehalt an Anthocyaninen, einer Untergruppe der Anthocyane, auf. Wie brasilianische und belgische Endokrinologen in einer Übersichtsarbeit berichten, stärkten die Anthocyanine das antioxidative System bei Diabetes mellitus. Dadurch verringerte sich die Insulinresistenz, LDL-Cholesterin und Triglyceride wurden gesenkt. Im Gegenzug erhöhte sich das HDL-Cholesterin.

Beschrieben wird außerdem, dass sich hohe Konzentrationen von Anthocyaninen in den unteren Darmabschnitten finden. Dort treten sie mit den Mikrobiota in Wechselwirkung und beeinflussen deren Zusammensetzung – Anthocyanine wirken also als Präbiotika. So können Heidelbeeren als natürliche Adjuvantien angesehen werden, die Entzündungen und oxidativen Stress verringern und den Glucosemetabolismus bei Patienten mit Adipositas, metabolischem Syndrom oder Typ2-Diabetes verbessern, schlussfolgern die Diabetesforscher aus Porto Alegre, Brasilien, und Brüssel, Belgien.

Gefäßwirksam

Dass Wildheidelbeeren auch vor Arteriosklerose schützen und damit das Risiko für koronare Herzerkrankung, Herzinfarkt und Schlaganfall verringern können, berichten Forschende aus Spanien in einer aktuellen narrativen Übersichtsarbeit. Wie klinische Studien und Labortests zeigten, verbesserten anthocyanreiche Beerenextrakte die Cholesterinspiegel moderat, senkten Entzündungsmarker, reduzierten die Entstehung von Thromben und erhöhten die Insulinantwort. Das stärke die Gefäßgesundheit und reduziere kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren, so die Mediziner aus verschiedenen Kliniken in Madrid. 

Dadurch, dass die Extrakte antioxidativ, antientzündlich und neuroprotektiv wirken, unterstützen sie die Prävention vor chronischen Erkrankungen, schlussfolgern die Autoren. Überhaupt sei oxidativer Stress ein zentraler Faktor im Hinblick auf molekulare Schäden, die sich mit zunehmendem Alter anhäufen. Möglicherweise sind also pflanzliche Inhaltsstoffe ein Schlüssel zu Gesundheit und Langlebigkeit, weil sie die antioxidativen Pfade stärken und die Mitochondrienfunktion wiederherstellen.

Kognition und Konzentration

Bei älteren Personen verbessern sekundäre Pflanzenstoffe aus Wildheidelbeeren die Nervenzellverbindungen und bremsen den kognitiven Abbau. Auch werden neuronale Schutzmechanismen aktiviert. So zeigte sich bei 61 gesunden Teilnehmern (im Alter von 65-80 Jahren), dass ein gefriergetrockneter Wildheidelbeerextrakt (mit 302 Milligramm Anthocyanen) nach 12 Wochen die kognitiven Fähigkeiten verbesserte. Besonders deutlich war das bei der sofortigen Wortlistenwiedergabe und der Genauigkeit beim Aufgabenwechsel. Auch konnten sich die Personen besser artikulieren.

Dokumentiert wurde außerdem ein positiver Einfluss auf die Endothelfunktion (Verbesserung um 0,58 %) und den 24-Stunden Blutdruck (der sich um -3,9 mm Hg verringerte). Wildheidelbeer-Extrakte können also bei älteren Personen die Gefäßfunktion und das episodische Gedächtnis sowie die Exekutivfunktion verbessern, berichten die Ernährungswissenschaftler aus dem Vereinigten Königreich, aus Deutschland und Portugal.

Tatsächlich wäre das eine sinnvolle und kosteneffektive ernährungsbasierte Strategie, um den altersbedingten kognitiven Abfall und die Gefäßfehlfunktion anzugehen. Wie die Studienautoren vermuten, wirken die polyphenolreichen Lebensmittel möglicherweise über die Darm-Mikrobiota und den Blutfluss in den Gefäßen.

Wildheidelbeeren können bis zu 1.000 Milligramm Polyphenole pro Gramm Frischgewicht enthalten, darunter Anthocyane und andere Flavonoide. Außerdem die Phenolsäuren Chlorogen-, Ferula- und Syringasäuren, und die Gerbstoffe Catechin und Epicatechin, welche ebenfalls entzündungshemmend wirken. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist ein Vaccinium myrtillus-Extrakt (BilCraft(R), der in Südtirol mit einem besonders schonenden Verfahren produziert wird.

Ernährt man sich gesund, kommen täglich Lebensmittel mit antientzündlichen Inhaltsstoffen auf den Tisch: Rote Bete, Grünkohl, Tee, Kaffee oder Kakao sowie Nüsse und Olivenöl – vor allem aber Beeren. Speziell die Anthocyane der Wildheidelbeere wirken nicht nur antientzündlich, sondern beeinflussen Stoffwechselparameter, sind gefäßaktiv und schützen die Nerven.

So kann die Supplementation mit anthocyanreichen Extrakten eine vielversprechende Strategie sein, um gesundes Altern zu fördern und das Risiko für Krankheiten zu verringern, die mit oxidativem Stress und systemischer Entzündung zusammenhängen. Mit diesen pathologischen Mechanismen ist auch das Immunsystem, der Verlauf der Menopause, die mentale Gesundheit und die Muskelerholung assoziiert.

Zu guter Letzt sind Heidelbeeren und ihre Inhaltsstoffe nicht nur ein Mittel, um gesund und aktiv zu bleiben. Sie sind vor allem ein Teil des organischen Netzwerks der Natur.

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